Warum ein geschützter Lernraum Bildungschancen verändern kann. Mit Prof. Dr. Gabriel Schoyerer

Shownotes

Wie gerecht kann ein Bildungssystem sein, wenn der Lernerfolg eines Kindes noch immer davon abhängt, wie viel Zeit, Geld, Wissen oder Unterstützung im Elternhaus vorhanden ist?

Darüber sprechen Jana und Stefan mit Prof. Dr. Gabriel Schoyerer, Professor für Kindheitspädagogik an der Katholischen Stiftungshochschule München. Ausgangspunkt ist seine Wirkungsstudie zu digitalen Lernräumen und der Frage, welchen Beitrag zusätzliche Bildungsangebote leisten können, wenn Schule und Familie an ihre Grenzen kommen.

Im Gespräch geht es darum, warum Bildung mehr öffentliche Verantwortung braucht, weshalb gleiche Anforderungen bei ungleichen Voraussetzungen noch keine Chancengleichheit schaffen und welche Rolle Unternehmen, Stiftungen und andere Organisationen übernehmen können.

Gabriel erklärt außerdem, warum Lernerfolg nicht nur an besseren Noten gemessen werden sollte. Selbstständigkeit, die Fähigkeit, sich Hilfe zu organisieren, Sicherheit im Lernen und der Mut, Fragen zu stellen, können mindestens genauso entscheidend sein.

Und: Was passiert mit Lernen in Zeiten von KI? Kann Technologie den geschützten Lernraum irgendwann ersetzen – oder braucht gute Bildung am Ende immer auch den Menschen?

💬 Zentrale Botschaft:

Chancengleichheit bedeutet nicht, allen Kindern dasselbe anzubieten. Sie entsteht dort, wo unterschiedliche Voraussetzungen berücksichtigt und Kindern Bildungsressourcen zugänglich gemacht werden, die sie unabhängig von den Möglichkeiten ihres Elternhauses nutzen können.

Kernaussagen:

  1. Bildungschancen hängen noch immer stark vom Elternhaus ab.
  2. Gute Lernunterstützung zeigt sich nicht nur in besseren Noten.
  3. Chancengleichheit ist nicht allein Aufgabe von Schule und Eltern.

Links:

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Website: https://www.gabriel-schoyerer.de/

KSH-Studie: KSH-Studie zu den familienbezogenen Effekten schulischer Online-Nachhilfe

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Transkript anzeigen

00:00:03: Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Episode vom Bildungsbooster-Podcast, der Podcast für mehr Chancengleichheit.

00:00:11: Ich bin Stefan Bernd von JaClaar und gemeinsam mit Jana Croach CEO von Ubimaster sprechen wir über Mehr Chancegleichheit durch Bildung!

00:00:20: Wie gerecht kann Bildung eigentlich sein?

00:00:23: Wenn der Lernerfolg eines Kindes noch immer davon abhängt, wie viel Zeit, Geld, Wissen oder Unterstützung im Elternhaus vorhanden ist.

00:00:31: Darüber sprechen wir heute mit Professor Dr.

00:00:33: Gabriel Scheurer.

00:00:35: Gabriel ist Professor für Kindheitspädagogik an der katholischen Stiftungshochschule München und hat sich wissenschaftlich damit beschäftigt, welche Wirkung digitale Lernräume entfalten können.

00:00:45: Wir sprechen darüber warum Bildung mehr öffentliche Verantwortung braucht – weshalb Chancengleichheit mehr bedeutet als gleiche Angebote für alle?

00:00:54: Und welche Rolle Unternehmen und andere Organisationen dabei übernehmen können?

00:00:58: Natürlich geht es auch um die Frage was braucht Lernen in Zeiten von KI eigentlich noch vom Menschen?

00:01:04: Gabriel, herzlich willkommen beim Bildungsbooster.

00:01:09: Wenn du morgen nur einen einzigen Hebel bewegen dürftest um Bildungsschancen von Kindern weniger abhängig vom Elternhaus zu machen?

00:01:19: Welcher wäre das und warum?

00:01:23: Das ist natürlich die ganz große Megafrage, die uns alle beschäftigt.

00:01:30: aber wenn wir Wenn wir eigentlich wollen, dass jedes Kind die Möglichkeit bekommt sich gut zu entwickeln gesund aufzuwachsen.

00:01:40: Integrer Teil unserer Gesellschaft zu werden brauchen wir eigentlich mehr öffentliche Verantwortung für Bildungschancen als wir das im Moment sehen.

00:01:53: Warum ist es so?

00:01:55: Wir können nicht voraussetzen dass jedes Elternhaus in gleichem Maße Geld, Zeit, Sprache, Fachwissen, pädagogische Kompetenz usw.

00:02:08: zur Verfügung hat wie wir uns das vielleicht wünschen würden.

00:02:12: Vielmehr sehen wir dass es aufwachsen von Kindern und damit auch ihre Bildungschancen gerade in Deutschland Das zeigen immer wieder die OECD-Berichte sehr eng zusammenhängen mit den Ressourcen Lebensbedingungen ihrer Familien, Kinder wachsen nun mal in Familien auf.

00:02:35: Gleichzeitig setzen aber pädagogische Institutionen und das sozusagen die zentrale Problemstellung, glaube ich, die hinter der Frage liegt wie du gestellt hast.

00:02:47: Und allen voran auch die Schule, die setzen also sozusagen vielfach voraus dass bestimmte Unterstützungsleistungen außerhalb von ihr, also außerhalb vom Schule oder anderen pädagogischen Institutionen erbracht werden sollen.

00:03:02: Also das heißt sozusagen in der Familie aufgefangen werden sollen und damit besteht natürlich die Gefahr dass ungleiche familiale Voraussetzungen dies einfach gibt auch zu ungleichen Bildungschancen führen.

00:03:16: Da gibt es verschiedene Studien, die das seit vielen Jahren deutlich belegen.

00:03:22: Das heißt, die interessante Frage ist eigentlich wie schaffen wir es zusätzliche Bildungsressourcen zu integrieren in dieses System auf die Kinder bzw auch Eltern möglichst unabhängig eben von ihren eigenen oder auch ihren familialen Voraussetzungen zugreifen können?

00:03:42: Also der Wunsch wäre sozusagen mehr öffentliche Verantwortung, bessere öffentliche Institutionen.

00:03:48: Wir sehen aber das funktioniert so nicht wie wir das bräuchten und deshalb stellt sich die Frage was kann es zusätzlich geben?

00:03:59: Wenn du...

00:04:00: Jana, möchtest du?

00:04:01: Ja ich sehe es dir an!

00:04:04: Was kann es denn zusätzlich gehen und wie früh sollten wir eigentlich anfangen damit?

00:04:08: Also du hast gerade von Schule gesprochen.

00:04:12: Schule ist ja startet ja im Alter von sechs Jahren oder sieben manchmal auch erst.

00:04:17: Ist das noch ausreichend?

00:04:19: Muss es früher starten, wenn ja wie?

00:04:23: Ja natürlich der Reflex sozusagen ist dann immer zu sagen in der Schule sind... Wenn die Kinder in die Schule kommen, sind die Weichen sozusagen schon gestellt.

00:04:36: da müssen wir früher anfangen im Kindergarten.

00:04:38: Wenn ich mit Erzieherinnen heute spreche im Kindergarten, die sagen naja wenn die Kinder mit drei vier Jahren zu uns in den Kindergaten kommen.

00:04:46: Da sind die wichtigsten Lebensjahre auch schon vorbei dann geht man also sozusagen in die Krippe.

00:04:51: da müsste man anfangen.

00:04:53: Also Bildung beginnt bei der Geburt könnte man formulieren nun ja die Frage ist natürlich wie weit möchte sich Familie sozusagen hinein greifen lassen durch öffentliche Institutionen.

00:05:08: Das ist sozusagen eine ganz andere Debatte, aber das Problem ist natürlich, je stärker man Bildung nicht öffentlich verantwortet gestaltet, desto stärker werden die Effekte privatisiert und die Stärker bestehen soziale Ungleichheiten.

00:05:27: Also das ist sozusagen eine sehr große Debatte, wie stark möchte man vorschulische Institutionen gewissermaßen mit schulischen Anforderungen und Erwartungen konfrontieren?

00:05:39: Weil damit natürlich auch ganz bestimmte Kindbilder oder Kinderbilder die sehr vielfältig eigentlich sind.

00:05:47: Das verträumte Kind dass sich langweilende Kind, verspielte Kind damit auch ein Stück weit verloren gehen.

00:05:56: Wenn wir sozusagen frühzeitig diesen gesellschaftlichen Wettbewerb in pädagogische Institutionen transportieren.

00:06:05: Irgendwann muss das sein – das leuchtet mir total ein -, aber zu fordern müssen immer früher anfangen und immer früher gesellschaftlich relevante Themen eigentlich in pädagogische Institutionen zu transportieren.

00:06:23: Darin liegt auch eine Gefahr, so notwendig das vielleicht aus sozialpolitischer Perspektive auch

00:06:28: ist.".

00:06:29: Wie siehst du das Gabriel wenn wir das ganze Thema öffentliche Verantwortung mal ein bisschen breiter aufstellen?

00:06:34: Wie sehr siehst Du da auch generell Unternehmen auch in der Verantwortung?

00:06:39: Also es gibt sozusagen so einen Modell dass unterscheidet zwischen staatlichen Engagement, marktbezogenen Prinzipien, die Ressourcen von Familien- und zivilgesellschaftlichen Akteuren.

00:06:57: Und wir wissen sozusagen, je stärker Staat reguliert – wir sehen das sehr schön in der Kindertagesbetreuung -, desto weniger markt oder quasi markliche Strukturen entstehen und die stärker sozusagen ein Markt etwas reguliert, desto stärker ist der Zugang zur Bildungsressource abhängig vom Geldbeutel.

00:07:20: Und das ist ein Problem!

00:07:22: Ich glaube wir haben es hier ein bisschen anders gelagert bei UbiMaster weil das einen kostenfreier Zugang ist zumindest für die meisten und das verändert sozusagen diese Situation grundlegend.

00:07:41: Ich glaube aber, dass das eine ist sozusagen diese Kostenfreiheit.

00:07:48: Entscheidend ist aber so zu sagen ob aus dieser Verfügbarkeit auch überhaupt eine Ressource wird also die Kinder überhaupt möglichst eigenständig nutzen können.

00:08:00: und da haben wir gesehen jetzt in der Studie, die wir mit einem Eltern durchgeführt haben.

00:08:07: Wir haben Eltern befragt, deren Kinder Ubi-Master ja oder länger nutzen, also relativ langfristig und auch intensiv nutzen.

00:08:14: Und da haben wir gesehen dass ein Zugang sozusagen niedrigschwellig sein muss.

00:08:18: die Bediene muss einfach sein Unterstützung muss dann verfügbar sein wenn sie auch gebraucht wird.

00:08:26: Also Kinder müssen sozusagen die Gelegenheit haben ihre individuellen Unterstützungsbedarfe auch einbringen zu können um passgenauer Hilfe zu erhalten.

00:08:35: Das sind so Voraussetzungen dafür dass ein Unterschied auch gemacht werden muss.

00:08:45: Aber vielleicht noch mal zurück zur Frage, welche Bedeutung Institutionen oder Unternehmen haben können?

00:08:58: Ich glaube, das ist einfach ein Problem und darüber haben wir eingangs schon gesprochen, dass Schule als Institution vielfach Erwartungen formuliert Aber weiterhin zu wenig dafür tut, aufzuzeigen wie diese Erwartungen auch erfüllt werden können.

00:09:15: Also zum Beispiel indem man viel stärker differenziert ganzheitliches Lernen stärker betont als die reine Reproduktion von Wissen.

00:09:24: und damit werden eben so öffentlich sichtbare Probleme also zb in Klassenzimmer Chancengleichheit Teilhabe an lernen an Schule Wie kann ich mich eigentlich einbringen?

00:09:35: faktisch privatisiert und zum Problem von Familien gemacht.

00:09:40: Also Schulen sozusagen sind traditionell nicht besonders partizipativ, sind traditionelle, sanktionieren sehr stark

00:09:52: usw.,

00:09:52: es müssen sie vielleicht auch ein Stück weit sein.

00:09:54: aber so sind Sie nun mal verfasst.

00:09:57: die Frage ist also wer kann bei der Bewältigung dieser privatisierten Erwartungen eigentlich helfen?

00:10:04: Und an der Stelle finde ich das Engagement von Unternehmen, Stiftungen und anderen Organisationen sozusagen als, ich nenne es jetzt mal zivilgesellschaftliche Akteure wirklich interessant.

00:10:15: Da sie eben zusätzliche Bildungsressourcen zugänglich machen können und damit öffentliche Angebote in ihrer Verfasstheit wie Sie halt nunmal sind auch sinnvoll ergänzen können.

00:10:26: Uns geht es ja im Bildungs-Buser-Podcast, wie gerade schon gesagt darum auch Formate.

00:10:30: Wie beispielsweise UbiMaster aber auch durchaus andere Dinge auf die Straße zu bringen und Unternehmen sind sich glaube ich gespannt auf deine Einschätzung.

00:10:39: Ich glaube Unternehmen als zivilgesellschaftliche Akteure sind sich durchaus ihrer Verantwortung bewusst Aber auch nur ihrer Verantwortung bewusst.

00:10:48: Ich beobachte das viel zu wenig in den Verhaltensweisen was sie dann für Formate also beispielsweise auch wieder wie Ubi Master Ihren Mitarbeitenden anbieten.

00:10:58: Dann kommt so eine PISA-Studie wieder raus und bestätigt eigentlich genau das, was wir alle immer schon wissen.

00:11:05: Wir setzen es aber nicht um!

00:11:06: Ich hoffe dass ich meine Frage mir ein bisschen konkretisieren konnte.

00:11:09: Ich glaube es geht ja in der Frage um den Zusammenhang wie.

00:11:13: welche Rolle können zivilgesellschaftliche Akteure spielen beim Aufbrechen dieser bestehenden Chancenunggleichheit?

00:11:25: Also bleibt das sozusagen ein Close-Job von Unternehmen für ihre Stakeholder oder hat das eigentlich weiter weitreichendere gesellschaftliche Perspektiven?

00:11:38: Ich glaube, dass ist der Punkt.

00:11:41: Wenn ich es richtig verstanden habe und hier müssen wir natürlich auch mal sehen welche Reichweite wer überhaupt haben kann also Bildung, Erziehung, Jugendhilfe usw.

00:11:59: Das ist erstmal genuin öffentlicher Auftrag.

00:12:03: Genuin ist das sozusagen in staatlicher Mitverantwortung zumindest und dann auch natürlich sehr stark in der Verantwortung der Familien.

00:12:16: also in keinem Sozialgesetzbuch dass ich kenne steht Da müssen aber die Unternehmen oder da müssen aber irgendwelche anderen Stiftungen oder irgendetwas sich engagieren.

00:12:28: Sondern sie tun das nicht sozusagen im staatlichen Auftrag, oder sie tun es auch nicht unter staatlicher Beobachtung in Anführungsstrichen sondern sie tun aus anderen Gründen.

00:12:40: Dann müsste vielleicht Jana Krutsch mal drei Sätze dazu sagen warum Sie das machen?

00:12:46: Ich sehe aber und das ist warum ich mich als Bildungswissenschaftler für dieses Thema interessiere.

00:12:53: Ich sehe aber das Potenzial dieser zivilgesellschaftlichen Akteure, weil die Verfasstheit unseres Bildungssystems sehr und seit Jahrzehnten ist das sozusagen bekannt wie reproduktiv es wirkt.

00:13:16: bekannt, was man tun könnte um bestimmte strukturelle Schranken für bestimmte Bevölkerungsgruppen zu durchbrechen oder überwinden.

00:13:31: diese sogenannten Chania-Stellen, von denen wir sprechen.

00:13:34: Also einen Übergang zwischen unterschiedlichen Bildungssystemen zu verlängern mehr stärker gemeinsam länger zu lernen all diese Dinge da gibt es gute Beispiele aus anderen Ländern aber bestimmte Bildungs Systeme in Deutschland Wir haben ja nicht eins und wir haben ja sechzehn willkommen im Föderalismus machen sozusagen machen das nicht.

00:14:02: Da kann man sich natürlich die Frage stellen, warum gibt es zum Beispiel in dem schönen Bundesland aus dem ich komme?

00:14:08: Aus Bayern.

00:14:09: Warum gibt es diese drei Gliederigkeit in dieser starren Formen?

00:14:13: Warum wird nach vier Jahren gemeinsam Lernen bereits sozusagen der Übertritt auf weiterführende Schulen mehr oder weniger zementiert

00:14:20: etc.,

00:14:21: etc.?

00:14:21: Warum tut man das obgleich man weiß dass das zu bestimmte Bevölkerungsgruppen strukturell benachteiligten auswirkt und für bestimmte andere Bevölkerungsgruppen, die sowieso privilegiert sind sie belohnt werden dadurch.

00:14:36: Und durch solche Mechanismen reproduzieren sich bestehende gesellschaftliche Verhältnisse.

00:14:43: also die Frage wäre möchten wir eigentlich gesellschaftlichen Verhältnissen ein Stück weit verändern?

00:14:50: das ist die große frage die dahinter steht.

00:14:53: und ich glaube da kann sich wieder selber darüber Gedanken machen und mal überlegen in welchem bundesland ersitzt und mal das Bildungssystem anzuschauen, sich die Frage stellen.

00:15:03: Wohin möchten wir einig mit dieser Gesellschaft?

00:15:05: Und wohin führt uns eigentlich dieses Bildungsystem?

00:15:11: Also den Punkt sehe ich durchaus auch.

00:15:13: also Wir haben viel zu viele unterschiedliche Bildungs Systeme und es ist ganz interessant weil ich stamm ursprünglich aus Ostdeutschland und Ich bin noch aufgewachsen in der ehemaligen DDR sozusagen und bei uns sind einfach die Schüler bis zur zehnten Klasse zusammen gegangen Und danach ging halt ein paar weiter und ein Teil hat auch aufgehört.

00:15:34: Es war gut fürs Klassengefüge, weil schwächere Schüler wurden auch ein Stück weit mitgenommen.

00:15:39: Als ich Ubi-Master gegründet habe – ein paar Jahre ist das nun schon her – wollten wir etwas schaffen, was eben vermeidet, dass diese Zementierung stattfindet?

00:15:51: Diese Zementierung kann Ich werde das Bildungssystem nicht verändern.

00:15:58: Das ist auch gar nicht mein Anspruch, bei Weitem nicht.

00:16:01: Und es darf's auch gar nichts sein, weil genau wie du das sagst, Gabriel, das ist eine hoheitliche Aufgabe des Staates.

00:16:08: Was wir versuchen sind Unternehmen an mit Unternehmen zu kooperieren, die natürlich auch ein Interesse haben.

00:16:15: und jetzt kommen wir ein Stück weit zu den Themen, die die Unternehmen umtreibt.

00:16:20: Die sehen auf der einen Seite dass sie Mitarbeiter entlasten wollen, weil dieser Druck von außen mehr in die Familie zu geben.

00:16:28: Die Schüler stärker zu unterstützen bei den Eltern größer wird und die sehen aber auch das eine zukünftige Generation, die an Jungen auszubildenden vielleicht in zwei, drei, vier, fünf Jahren in das Unternehmen kommt gar nicht die Mindestvoraussetzungen, die es braucht erfüllt.

00:16:44: Das ist ein Hintergrund.

00:16:46: Und wir haben ja auch gemeinsam, also du hast es ja gemacht, eine Studie gemacht wo wir das untersucht haben und da gab es ja einige belastbare Indikatoren Richtung.

00:17:01: was sind die Ergebnisse, die daraus kommen?

00:17:04: Die Frage war ja, was sozusagen so eine digitale Lernplattform leisten kann, wo liegen Grenzen und was haben wir daraus gefunden?

00:17:16: oder was wäre eigentlich auch eine gute Anforderung an so einer Lernplattform.

00:17:22: Ich glaube dass wir uns zunächst ein Stück weit davon lösen müssen Wirkung ausschließlich an besseren Noten festzumachen.

00:17:32: Lernen verbessert sich eben auch dann wenn Kinder zunehmend in die Lage kommen, ihre eigenen Lernprozesse selbst zu organisieren und zu steuern gerade vor dem Hintergrund eben dieses skizzierten Zusammenhangs von kindlichen Bildungschancen und familialen Aufwachsensbedingungen.

00:17:50: Also dass Kinder sozusagen ein Stück weit unabhängiger werden von den familiären Lebensbedingung.

00:17:58: Und das ist auch tatsächlich ein wichtiger Befund unserer Studie Und da haben uns Eltern also berichtet, dass ihre Kinder zum Beispiel zielgerichteter Lernprobleme eigenständiger bearbeiten können.

00:18:15: Zunehmend auch lernen konkrete Fragen zu formulieren.

00:18:19: Das ist glaube ich ein ganz wichtiger Punkt um sich überhaupt auch erst Unterstützung holen zu können.

00:18:25: Also die Kinder entscheiden sich zunehmends selbst wann sie Hilfe benötigen organisieren ihre Lernzeiten Stück weit selber und übernehmen sukzessive Mehrverantwortung für ihren Lernprozess, weil sie eben wissen – so haben uns das die Eltern beschrieben -, dass es da sowas wie eine verlässliche Ressource im Hintergrund gibt.

00:18:47: Und zwar eine bei der nicht einfach die Lösung vorgegeben wird sondern gemeinsam mit den Kindern Lösungswege entwickelt werden sodass aus einem ich habe jetzt hier irgendwie ein Problem und ich weiß nicht weiter zunehmend einen Ich weiß wie und wo ich mir Hilfe holen kann.

00:19:06: Und das ist natürlich eine total wichtige Kompetenz, die man dabei lernt, die eigentlich viel wichtiger ist als jetzt das Lösen von irgendeiner Matheaufgabe oder jetzt im Vorbereiten der Englischsprüchung so wichtig dass in Mainzlinien auch sein.

00:19:21: Wir haben nach schulischen Leistungen gefragt, wie hat sich das jetzt irgendwie verbessert?

00:19:28: Da berichten die Eltern... auch von eher moderaten Noten, Verbesserungen aber durchaus stabileren Leistungen und auch in besonderer Weise von einer stärkeren Beteiligung am Unterricht.

00:19:40: Also offenbar sozusagen dieses Gefühl der Sicherheit.

00:19:44: ich habe die Möglichkeit Zugriff auf etwas zu haben mit dem ich mich auf etwas vorbereiten kann was dann am nächsten Tag von mir erwartet wird.

00:19:53: und das gibt mir die Sicherheit die Möglichkeit nicht an einem nächsten Tag stärker im Unterricht zu beteiligen.

00:19:59: Nicht jedes Kind profitiert in gleicher Weise, das ist klar.

00:20:04: Wirkungen sind natürlich immer auch abhängig von den individuellen Voraussetzungen, Eigenmotivationen, Intensität der Nutzung und so weiter.

00:20:11: aber insgesamt war das sehr eindrücklich was die Eltern uns da geschickt haben wie sich das Lernverhalten der Kinder auch verändert hat

00:20:24: Und Sie sprechen ja immer wieder auch in Ihrer Studie, aber auch sonst beim Lernen von diesem wertfreien oder sehr geschützten Raum.

00:20:33: Warum ist das so wichtig?

00:20:37: Also mit diesem wertfreien Raum – ich glaube wir unterschätzen manchmal wie stark lernen eine emotionale Dimension hat.

00:20:46: Das Kurs ist sehr stark auf dieses kognitivel Lernen häufig ausgerichtet.

00:20:52: Aber Kinder müssen, dass sie lernen können sich überhaupt auch erst mal trauen zu zeigen.

00:20:59: Dass wir was nicht verstanden haben und brauchen sozusagen dafür ein Ort an dem es auch möglich ist also eben einen geschützten wertfreien Raum.

00:21:10: Und Schule ist zwangsläufig Natürlich auch in orter leistungsbewertung.

00:21:17: Also wenn ich dort eine fragestelle oder eine falsche antwort gebe wird das vor der Klasse sichtbar.

00:21:23: Das hat eine soziale und damit auch eine sehr starke emotionale Dimension, und auch Bestandteil von Bewertung.

00:21:30: Und gerade für zurückhaltende oder erst mal unsichere Schülerinnen und Schüler kann es eine erhebliche Hürde sein sich überhaupt zu beteiligen am Unterricht.

00:21:40: In einem digitalen Lernraum wo ich die Möglichkeit habe das ein Stück weit einzüben tritt sozusagen dieser Bewertungsdruck auch erstmal ein Stück weit zurück.

00:21:51: und das Interessante ist, dass es eben diesen digitalen Lernraum nicht nur darum geht sich jetzt konkrete fachliche Hilfe zu holen.

00:22:00: Ich kann das total verstehen.

00:22:01: also ich hätte mir sowas gewünscht als ich Schüler war mal so schnell auf den nächsten Tag da vorzubereiten.

00:22:12: Das ist eben das eine, aber es ist nicht nur.

00:22:14: Sondern eben allein dieses Wissen.

00:22:16: da ist jemand den ich fragen kann wenn ich nicht weiterkomme.

00:22:21: Das haben uns viele Eltern als so einer Art Sicherheitsnetz beschrieben also die Schülerinnen und Schüler können sich fachlich rückversichern klar und erleben sich dadurch bei schulischen Anforderungen eben auch im Unterricht Handlungsfäge dass das eine Aber erleben dabei eben auch dass es sich lohnt, Fragen zu stellen weil sie erfahren das man überhaupt dadurch erst Unterstützung erhalten kann.

00:22:47: Und das erscheint mir doch eine wichtige Voraussetzung sich überhaupt auf Lernen einzulassen.

00:22:52: also ein guter Lernraum ist sozusagen immer ein Ort sein an dem man sich auch traut Fragen zu Stellen und das kann man dort sozusagen geschützt und ohne Bewertung.

00:23:06: Das ist klar, das ist nicht Unterricht.

00:23:08: aber es gibt eben die Möglichkeit in so ein Modus zu kommen dass auch mal allen zu üben ohne sofort sozusagen das unter Publikum zu machen mit Bewertungen Angst vor Sanktionen Notengebung zu haben und eben so sukzessive in so einen fragenden Modus hineinzukommen.

00:23:29: Jeder weiß ja, ich bin ein großer Verfechter der Person Mensch, sag' ich mal.

00:23:36: In der Bildung vor allen Dingen wenn's um jüngere Kinder auch geht.

00:23:40: Deswegen ist ja Ubi-Master auch so aufgebaut wie es aufgebaut ist.

00:23:43: Wir hören häufig auch von unseren Tutoren Mensch wir sind eigentlich nicht nur die fachlichen Tutoren Wir sind manchmal auch so ein kleiner Coach Wir sind manchmal der oder diejenige die auch eine Angst auffängt Oder ne Traurigkeit oder ne Betrücktheit Weil das Kind halt aus der Schule kommt und irgendwie was schief gelaufen ist oder sich ganz stark freut, oder wie auch immer.

00:24:05: Nun verändert sich aber unsere Welt.

00:24:07: Ja?

00:24:07: Unsere Welt verändert sich ... Wir sehen die KI jeden Tag ein bisschen mehr.

00:24:13: Wie siehst du das denn?

00:24:15: Ist die KI dann plötzlich unser geschützter Raum irgendwann?

00:24:22: Also da möchte ich mal keine Prognose.

00:24:25: Prognose abgeben.

00:24:30: Was wir schon auch gesehen haben in der Studie, dass das Ubi-Master natürlich so stark es auch die Möglichkeit gibt einen geschützten Lernraum zu bieten und das wirklich als eine große Ressource wahrgenommen wird.

00:24:48: also wir haben da zum Beispiel auch Erzählungen von Eltern die sagen Mein Kind hat unter Schulangst gelitten und ging gar nicht mehr in die Schule.

00:24:56: Und Ubi-Master war sozusagen, die Möglichkeit des Wiedereinstiegs oder mein Kind hatte eine schwere chronische Krankheit und konnte gar nicht in die Schule gehen aus Ansteckungsgefahr oder sowas.

00:25:09: Und darüber war dann Ubi Master sozusagen eigentlich die Rettung um so ein bisschen auch Schritt zu halten usw.. Das sind sozusagen so viele fache Möglichkeiten, Zugang zu Bildungsressourcen zu haben um auch individuelle Problemlagen lösen zu können.

00:25:29: Das ist das eine.

00:25:30: Trotzdem funktioniert natürlich Ubimaster sehr stark über reflexive Kompetenz ihrer Nutzerinnen.

00:25:37: also ich muss lernen Fragen zu stellen und mich darauf einlassen.

00:25:41: Ich bekomme Antworten, ich antworte drauf usw.. Das ist jetzt nicht besonders physisch oder leiblich.

00:25:49: Es ist weiterhin digitales Angebot und da stößt möglicherweise Ubimaster bislang auch an Grenzen, weil die kleiner die Kinder sind desto leiblicher und körperlicher ist Lernen auch.

00:26:02: also man denken nur an ganz kleine Kinder dort findet Lernen Ganz überwiegend leibliche statt.

00:26:08: die brauchen Körperkontakt die brauchen Atmosphäre die brauchen Menschen.

00:26:14: Ja, da ist eine digitale Umgebung für sie auch erstmal völlig befremdlich und auch der falsche Ort.

00:26:22: Insofern würde ich sagen es kommt sehr darauf an unter welchen Bedingungen für wen und welche Probleme ich habe und was mir dann etwas helfen kann.

00:26:38: Wir haben glaube ich... Es gibt andere Länder Die haben viel weniger Vorbehalte im Umgang mit künstlicher Intelligenz oder Robotik, also Japan zum Beispiel.

00:26:52: Sie setzen seit vielen Jahren Pflegeroboter ein und da gibt es überhaupt keine Vorbehalt.

00:26:56: Es wäre bei uns noch irgendwie ein bisschen schwierig, hat aber kulturelle Gründe auch.

00:27:03: Ich glaube auch dass es bestimmte Bereiche geben wird in den digitalen Angeboten bislang nicht auf Akzeptanz stoßen werden, insbesondere wenn es um kleine Kinder gehen wird.

00:27:17: Also ich glaube nicht dass die künstliche Intelligenz uns bestimmtes Lernen abnehmen wird.

00:27:27: Bestimmte Dinge vereinfacht das ist ganz klar serielle Dinge vereinfachtes.

00:27:34: aber wir sind halt als Menschen nicht nur kognitive Wesen sondern wir sind auch sehr stark emotionale leibliche Wesen Und wir möchten, glaube ich auch bestimmte Dinge nicht digital nur lösen oder lernen.

00:27:47: Sondern wir möchten Dinge leiblich erfahren!

00:27:50: Wir möchten auch mal scheitern, leibliche.

00:27:54: Wir möchten sozusagen spüren dass irgendwo was nicht funktioniert.

00:27:57: Wir brauchen auch Atmosphäre und so weiter... ...und da sind sich alle klare Grenzen für die KI auch da.

00:28:09: Menschen haben und Menschen auch auch sehen.

00:28:12: Und Diana, deine Frage zielt vielleicht auch ein bisschen darauf ab.

00:28:18: Könnte man sich vorstellen Ubi-Master auch ohne echte Menschen durchzuführen?

00:28:24: Also dass da sozusagen irgendwie einen Avatar sitzt auf der anderen Seite, der mich möglichst gut spiegelt.

00:28:32: Ja also ich bin der Mensch, der da anruft und dann sitzt ein Avatar gegenüber der sozusagen All das vielleicht auf den ersten Blick gibt, was ein Wohlfühlen auslöst bei mir.

00:28:46: Ich kenne diese Debatten.

00:28:49: Bin ja selber Lehrer hier an einer Hochschule und wir haben da auch manchmal solche Phantasien wie ersetzbar sind wir eigentlich in der Lehre und brauchen uns unsere Studentinnen und Studenten eigentlich?

00:29:10: Mein Reindruck ist der, wir erreichen dann die Menschen und können dann Unterschiede machen.

00:29:19: Nicht wenn wir nur fachlich besonders gut sind sondern wenn wir uns als menschen zeigen mit unseren Schwächen, mit unseren Fehlern, mit unserer Erfahrungen.

00:29:29: Wir haben alle irgendwo einen Kratzer im Lack Und wenn wir diese Kratze mehr zum Gegenstand auch von Lernen machen Fehler und Probleme zum Gegenstand auch von Lehrveranstaltungen machen.

00:29:45: Dann öffnen sich auch die anderen, dann erzählen sie auch von ihren Problemen, von ihren Sorgen und dann habe ich eine gute Lernatmosphäre – auch in geschützten Orts, indem man sich sagen kann was man fühlt, indem Man sich sagen Kann wie es mir geht und darüber ein Austausch kommen Kann.

00:30:11: Gabriel, das nehme ich mit wenn ich jetzt gleich an meine Hochschule fahre.

00:30:14: Ich bin kein Professor, ich bin Lehrbeauftragter für ein ganz anderes Thema aber dass mir den geschützten Lernraum... Das kann ich nur bestätigen.

00:30:22: in dem kleinen Rahmen, in dem ich auch unterwegs bin Für die heutige Episode würde ich dir ganz gerne zum Ende hin noch eine ganz konkrete Frage stellen.

00:30:30: und dann springen wir nächsten Monat in der nächsten Bildungsbooster Podcast Wenn wir zu dritt uns in fünf Jahren Noch mal wieder treffen und zurückblicken.

00:30:40: Woran erkennst du denn Gabriel ganz konkret, dass wir beim Thema Chancengleichheit in der Bildung wirklich einen ganzen Schritt weitergekommen sind?

00:30:52: Ich glaube, wir können das daran erkennen indem wir Möglichkeiten zu lernen für Kinder stärker individualisieren.

00:31:07: Schlicht untergreifend ist bedeutet indem wir Möglichkeiten schaffen, dass unterschiedliche Lern-Tempi berücksichtigt werden.

00:31:17: Dass wir Möglichkeiten schaffen, dass verschiedene familiare Lebenslagen und Aufwachsbedingungen stärker berücksichtigt werden.

00:31:27: Also mehr Möglichkeiten geben unter unterschiedlichen Bedingungen an dem gleichen Ort zu lernen.

00:31:35: Das scheint mir ein ganz wichtiger Punkt.

00:31:37: Je stärker das sozusagen von außen auf einen bestimmten Weg hinzentriert wird, alle müssen das tun.

00:31:44: Wir erwarten von allen sozusagen das gleiche – ob gleich wir eigentlich wissen dass die Voraussetzungen höchst unterschiedlich sind!

00:31:52: Wenn wir das weiterhin tun dann werden wir weiterhin weiterhin den Zusammenhang zwischen familialer und sozialer Herkunft- und Bildungsteilhabemöglichkeiten haben, dann wird sich daran nichts verhindern.

00:32:09: Ich glaube wir brauchen nicht mehr von demselben Geacht, Genäuen und all diese Dinge.

00:32:15: Das wird uns nicht weiterhelfen sondern wir brauchen eine grundsätzliche viel stärkere Flexibilisierung und Individualisierung von leeren Möglichkeiten und gleichzeitig eine stärkERE Unterstützung von Problemlagen Die Schule produziert für Kinder und auch Familien.

00:32:35: Und darum braucht es Antworten drauf, idealerweise von der öffentlichen Hand.

00:32:40: Wenn es die nicht gibt dann brauchen wir eben auch andere Player, die hier eine gute Brücke schaffen können.

00:32:46: Und daran würde ich das erkennen.

00:32:49: ob das in fünf Jahren ist oder in zehn oder in zwanzig Who knows?

00:32:57: Fünf Jahre kann ich tatsächlich noch ganz gut überbrücken, das ist dann zwanzig-einunddreißig.

00:33:01: Bei zehn Jahren wird es schon schwieriger aber auf jeden Fall könnte man sich zu Wiesen wieder treffen.

00:33:06: Das ist in fünf Jahren, das sind zehn Jahren, vielleicht ein ganz guter Anker Gabriel und auch Jana.

00:33:13: Danke euch sehr für die heutige Aufnahme im Rahmen des Bildungsbooster Podcasts und da draußen nächsten Monat gibt's uns wieder!

00:33:22: Dankeschön!

00:33:23: Ciao ciao!

00:33:24: Nicht nur zuhören, auch machen.

00:33:26: Wenn dich das Thema triggert, dann bring es in dein Unternehmen.

00:33:30: In dein Umfeld und in deinen Handeln!

00:33:32: Denn Bildung für alle passiert nicht von allein.

00:33:34: – Bildungsbooster.

00:33:36: Der Podcast für mehr Chancengleichheit ab sofort jeden ersten Dienstag im Monat.

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